Zehn Fakten über Korn – den unterschätzten Feinbrand

Man kennt ihn meist aus dem untersten Supermarktregal, als billige Grundlage für alkoholische Mixgetränke oder auch pur, verrufen als das “Pennergetränk” (Pardon!). Die Rede ist – leider – von Korn! Ein Image, das tief sitzt und daher absolut nachvollziehbar, dass wir oft gefragt werden: “Warum Korn und wie passt das mit feinem Trinken zusammen?”. Zugegebenermaßen haben wir vor der Feintrinker Zeit ähnlich über diese Spirituose gedacht und durften überraschend feststellen, dass wir uns getäuscht haben. Eines wissen und bestätigen wir nun: Korn hat ein Imageproblem, ein Qualitäts- oder Geschmacksproblem hat dieser Schnaps jedoch keineswegs, ganz im Gegenteil: Korn ist und bleibt die deutsche Spirituose schlechthin.

1. In Korn stecken mehr als 500 Jahre Tradition!
Erste Nachweise eines mit Getreide gebrannten Schnaps gehen auf das Jahr 1508 zurück: in dem Jahr wurde die Branntweinsteuer eingeführt. Man befürchtete zu wenig Getreide für das Brauen von Bier zu behalten. Durch die Brennregulierung und somit die preisliche Entwicklung wurde Korn Mitte des 17 Jh. zum Getränk der gesellschaftlichen Oberschicht. In den folgenden Jahren durchlebte Korn eine vielfältige Geschichte (über die es separat zu schreiben lohnt): Schwarzgebrannte breiteten sich aus und gepanschte Spirituosen überfluteten den Markt. Mit weiteren Verboten, Erlassen und Regelungen kämpfte man dagegen an und verhalf der Spirituose mit Höhen und Tiefen zum deutschen Traditionsgetränk.

2. Wodka ist kein Kartoffelschnaps!
Ein merkwürdiger Fakt, um für Korn zu motivieren, oder? Zugegeben, ganz korrekt ist die Überschrift nicht, denn Wodka darf tatsächlich aus Kartoffeln gebrannt werden, wird er heutzutage allerdings nur noch äußerst selten. Mitte des 19. Jahrhunderts brauchte man erneut aus Gründen der Getreideknappheit eine günstige und verfügbare Alternative zur Schnapsherstellung. Begünstigt durch das neu erfundene Korngewürz erfreute sich der billige Kartoffelschnaps mit „Kornflavour“ eines hohen Konsums. Heutzutage ist das Brennen aus Kartoffeln aber eher untypisch, die meisten Wodkas basieren wieder auf dem Qualitätsrohstoff Getreide: genau wir Korn!

3. Korn hat tatsächlich ein Reinheitsgebot!
Beim Bier schon seit 1516 bekannt schaute man sich dies beim Korn ab und erließ im Jahre 1909 das Reinheitsgebot für Korn, um gepanschten Alternativen (wie Kartoffelschnaps) endgültig entgegenzuwirken. Neben wirtschaftlichen Interessen sollte so hauptsächlich die Qualität des Feinbrandes sichergestellt werden. Das Reinheitsgebot hat bis heute bestand und reguliert den Herstellungsprozess und die erlaubten Zutaten. Hier wird im Übrigen nun der Unterschied zwischen Korn und Wodka klar: Wodka ist der Sammelbegriff für klare gebrannte Spirituosen ohne explizite Regelungen, wohingegen Korn dem Reinheitsgebot unterliegt und somit als Untermenge von Wodka gilt. Jeder Korn ist also zugleich ein Wodka aber nicht andersherum!

4. Ein Kandidat für das Bio Label!
Gemäß EU-Verordnung 110/2008 darf Korn nicht aromatisiert werden. Insofern kann man bei Korn sicher sein, ein Produkt zu konsumieren, das frei von Aromen und Zusätzen ist. Weiterhin besagt das Reinheitsgebot, dass Korn ausschließlich aus lokalem Getreide im deutschsprachigen Raum erzeugt werden darf. Korn ist somit heißer Kandidat für Label wie „Bio“ und „Aus der Region“. Wundern wir uns also lieber nicht, falls uns bald mal ein Regal voller Korn Spirituosen im Alnatura, Landmann’s oder basic um die Ecke anlacht. Schnaps aus ökologisch kontrolliertem Getreideanbau aus der Region, dazu handverarbeitet bis zum Endprodukt würde sich dort doch in bester Gesellschaft befinden.

5. Getreide ist nicht Getreide!
Für die Herstellung von Korn dürfen im engeren Sinne gemäß Verordnung ausschließlich Weizen, Roggen, Buchweizen, Hafer und Gerste verwendet werden. Eine Auflockerung ermöglicht aber dennoch die Herstellung von Korn aus alternativem hochwertigen Getreide zu dem u. a. Dinkel und Emmer gehören. Die Herstellung aus bspw. Mais oder gar Reis wie im asiatischen Raum ist allerdings gänzlich ausgeschlossen.

6. Kornbrand, Doppelkorn und Edelkorn: Indikatoren für den Alkoholgehalt!
Nach dem Brennvorgang und mehrfacher Destillation besitzt das feine Korndestillat einen Alkoholgehalt von ca. 85% vol. Dieses wird anschließend mit Wasser auf Trinkstärke herabgesetzt. Da das Wasser maßgeblich die Qualität eines Korn beeinflusst, setzten viele Hersteller auf regionales Quell- oder auch Gletscherwasser. Hinter den Bezeichnungen Korn, Kornbrand, Doppelkorn und Edelkorn verbirgt sich schlicht der endgültige Alkoholgehalt der Spirituose nach dem herabsetzen auf Trinkstärke. Grundsätzlich muss das Endprodukt Korn min. 32% vol. haben. Erst ab 37,5% darf er als Kornbrand bezeichnet werden und ab 38% sind die Bezeichnungen Doppelkorn und Edelkorn geläufig.

7. Klarer Korn: ein Kann, aber kein Muss!
Hergestellt wird ohne Zusätze aus dem vollen Getreide das transparent klare Korndestillat (ca. 15.000 Körner braucht es übrigens für einen halben Liter). Dieser klare Schnaps darf nach Herabsetzung auf Trinkstärke natürlich direkt als der klassisch transparente Korn verkauft werden, den die meisten kennen dürften. Alternativ darf der Feinbrand aber auch erst zur Veredlung in Fässern reifen. Hierbei verliert er den Anspruch auf den Namen Korn keineswegs. Ähnlich wie beim Whisky entzieht der Feinbrand den Holzfässern Aromen, die komplexe Geschmacksrichtungen ermöglichen. Auch farblich wird es beim Reifen edel: typisch für fassgelagerte Körner ist die goldgelbe, manchmal leicht rötliche Färbung.

8. Korn, der Hidden Champion!
Wir deutschen konsumieren weitaus mehr Korn als wir glauben. Die meisten Wodkas, die wir aus dem Supermarkt schleppen, entsprechen auch dem Reinheitsgebot des Korn und dürften also als Korn verkauft werden. Das aktuelle Image hindert viele Hersteller daran dies auch zu machen. Viele der beliebt süßen Schnäpse (Stichwort Saurer Apfel, Quicky, uvm.) und auch Kräuterschnäpse basieren auf Kornbrand, dürfen aber durch die Zugabe weiterer Zutaten nicht mehr als Korn verkauft werden. Auch unsere Trendspirituose Gin basiert auf Kornbrand und wird erst durch die Weiterverarbeitung mit Wacholder und Botanicals zum Gin. Und als letztes Beispiel sei noch der Whisky angeführt. Hierbei ist es zwar etwas kniffliger, aber vereinfacht erklärt halten wir fest: lässt man den Korn „zu lange“ im Fass, so reift er durch zu einem Whisky.

9. Korn sichert sich Platz drei auf der Schnapsskala der Deutschen!
Klammern wir nun wieder die auf Kornbasis weiterverarbeiteten Produkte aus, so belegt ausschließlich der reine Korn gemäß Reinheitsgebot trotzdem mit noch knapp 14% den dritten Platz im deutschen Marktanteil und lässt damit nahezu alle Spirituosenarten hinter sich. Auf Platz eins schaffen es Liköre, Platz zwei sichert sich Wodka: und wer nun aufgepasst hat dürfte nun schmunzeln 🙂

10. Korn, ein unterschätzter Feinbrand!
Ziehen wir ein Fazit: Korn ist aus unserer Sicht definitiv ein unterschätzter Feinbrand. An Qualität und Geschmack mangelt es ihm nicht. Er ist präsenter als Viele wissen, der bessere Wodka und bringt viel Tradition mit sich. Das aktuelle Image hindert dennoch viele Kunden daran sich auf diesen Schnaps einzulassen, denn die Vorbehalte sind hartnäckiger das das Interesse an seiner tatsächlichen Qualität und Vielfalt. Dass Korn nun plötzlich doch nach Gin die Chance hat, cool zu werden, liegt an der allgemeinen Begeisterung für regionale und handgemachte Produkte aus ökologischem Anbau. Unterstützt wird der Trend natürlich durch viele kleine Brennereien und Start-Ups, die sich dem Korn verschieben haben. Mit modernen Produkten und Crafted Korn soll das Image entstaubt werden und sind wir mal ehrlich: vor zehn Jahren galt Gin auch noch als nebensächliche Spirituose mit dem unerwünschten Wacholdergeschmack.

Überzeugt Euch doch einfach selbst und denkt vielleicht beim nächsten Einkauf für einen Partyabend an unsere zehn Fakten, vielleicht greift ihr einfach mal zu einem feinen Korn für euern Lieblingscocktail oder Longdrink – natürlich darf er auch pur genossen werden 🙂